Historisch betrachtet ist die Friedhofslandschaft in Berlin einzigartig. Durch das rasche Wachstum der Stadt und den damit verbundenen Eingemeindungen kamen immer wieder kleinere Friedhofsflächen zum Stadt - gebiet hinzu. Insgesamt wurden Flächen für eine vier Millionen Einwohner Stadt angelegt, deren Größe Berlin aber nie erreicht hat. In diesem Zusam - menhang wurde 2006 ein Friedhofsentwicklungsplan (FEP) von der Stadt Berlin aufgestellt. Betrachtet werden darin ca. 1.176 ha Friedhofsfläche, die sich auf 224 Friedhöfe verteilen. Kerninhalt des FEP ist eine auf dem Bestat - tungsverhalten basierende Erfassung derzeitig und langfristig nicht mehr ge - nutzter Friedhofsflächen.

Im Ergebnis zeigt sich eine deutliche Veränderung in Zahl und Art der Bestattungen. Zum einen ist von 1970 bis 2003 in Berlin die Zahl der Sterbefälle um ca. 40% gesunken. Zum anderen ist der Trend von der klassischen Sargbestattung mit einem Flächenbedarf von etwa 12,6 m² hin zu Bestattungen in Urnengräbern und Urnengemeinschaftsanlagen (UGA) mit einem Flächenbedarf von 2,9 m² bzw. 0,3 m² ungebrochen. Folge dieser Entwicklung ist ein aktueller Überschuss an Friedhofsflächen von ca. 200 ha. Für 2025 wird ein Überschuss von 350 ha prognostiziert. Diese Zahlen stehen einer steigenden Wohnungsnachfrage gegenüber und geben Anlass zur Konversion und Erarbeitung von Nachnutzungskonzepten.

Die Problematik des Flächenüberschusses sind teilweise zusammenhangslose Grabanlagen sowie ein kostenintensiver Pflegebedarf für die Betreiber. In Berlin verfolgt man daher u.a. die Strategie, nicht mehr benötigte Friedhöfe in Flächen für den Wohnungsbau umzuwandeln. Dieses Potential zur Mobilisierung von Grundstücken für den Wohnungs - bau in attraktiven und zentralen Lagen greift das Projekt DICHTE Friedhöfe auf. 18 Studierende der Universität Kassel haben sich in einem Semester - projekt mit der Wohnkonversion von mehreren kleinen Friedhöfen an der Hermannstraße im Bezirk Neukölln auseinandergesetzt. Das Projekt konnte dabei auf einem Integrierten Friedhofsentwicklungskonzept (IFEK) aufbauen, das für die Teilkonversion dieser Friedhöfe erstellt wurde.

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